Nicola Jacobi

Nicola Jacobi

3 Fragen an… Architekt Peter Riepl

Was waren die besonderen Herausforderungen bei der Planung des IWZ?

Die relative Beengtheit des Bauplatzes, dessen Topografie, die mächtige Brauerei dahinter, die nahe Unterführung der Bahn, all das sind auf den ersten Blick beträchtliche Herausforderungen. Doch bei näherer Betrachtung erkennt man außergewöhnliche Chancen. Es ist eine für Passau typische Situation, denn auch die Stadt ist eingezwängt zwischen Flüssen und Hügel. Es ist gerade diese Beschränktheit und der bravouröse Umgang damit, der diese Stadt so einzigartig hat werden lassen.

Dementsprechend versuchen wir nicht nur die sich aus der Situation ergebenden technischen Herausforderungen abzuarbeiten, sondern auch das Potenzial an räumlicher Spannung produktiv zu nutzen: Geborgenheit versus Offenheit… Terrasse mit Weitblick versus gefasster Hof, gedeckter Durchgang, schmale Gasse … hoch/niedrig … steil/eben … hell/dunkel … all das und vieles mehr passiert innen wie außen, die Grenzen sind bewusst fließend. Ein Hauch von barock-bayrischer Theatralik ist dem Ort eingeschrieben, wenn auch die bauliche Umsetzung modernen Vorstellungen folgt.

Es wäre der falsche Schluss zu glauben, dass solcherart räumlicher und atmosphärischer Reichtum zwangsläufig mit erhöhten Kosten einhergeht. Im Vergleich mit anderen Projekten ist kein Mehr an Material und Aufwand vonnöten, sondern ausschließlich ein Mehr an Kombinatorik. Wie in der Altstadt von Passau, die auch dieser Formel folgt. So hat beides miteinander zu tun, auch im IWZ ist der unverwechselbare ‚Spirit von Passau‘ wiederzufinden.

Was ist die zentrale Idee des Baus, der rote Faden sozusagen?

Die Verknüpfung von Universität und Stadt, die Gestaltung eines offenen Ortes für soziale Interaktion und Begegnungen aller Art sind wesentliche Aspekte des Entwurfes. Der Austausch von Wissen ist dabei von zentraler Bedeutung, doch zahlreiche ‚weiche‘ Faktoren sind nicht minder wichtig. Forcierte Vernetzung und Verdichtung von Ereignissen gelten als Treiber von Innovation. In diesem Kontext kann auch Architektur ihren Beitrag leisten.

Bauplatz und Programm des IWZ bieten dafür beste Voraussetzungen. Diese einzigartige Chance wollen wir nutzen. Das bedeutet, ein attraktives Haus für Studierende, Lehrende und viele mehr zu entwickeln, das in seiner Vielschichtigkeit auch einen anregenden Rahmen für informelle Kontakte und lebendige Kommunikation bietet.

Die vorgeschobene Position am Spitzberg ermöglicht besondere Präsenz. Ein Brückenkopf für den ‚Campus am Inn’ in der Mitte der Stadt. Wesentliche Merkmale des Campus erscheinen hier in konzentrierter Form. Das poröse Bauwerk mit seinen integrierten Wegen und Plätzen wirkt einladend und beflügelt den Entdeckergeist. Man begegnet Vertrautem und überraschend Neuem. Kein langweiliger Schematismus, wie er anderswo zu finden ist. Der Campus in Passau hatte schon immer mehr zu bieten, er überzeugt als stimulierender Lebensraum.

Das Konzentrat unterschiedlicher Nutzungen bietet beste Voraussetzungen für urbanes Leben. Die im Programm geforderten Räume für Seminare, Verwaltung, Gastronomie bis hin zum Hör- und Konzertsaal werden durch spannungsvolle Raumsequenzen miteinander verbunden. Eine ‚kleine Stadt in der Stadt‘, nicht ein einzelnes Haus, sondern ein Ensemble von Bauteilen und Häusern.

Was wird für Sie persönlich das Herzstück des IWZ sein?

Das Herzstück des IWZ ist der Hörsaal, in dem künftig auch Konzerte stattfinden werden. Dafür entsteht ein besonders gestimmter Raum an oberster Stelle, sozusagen als Bekrönung, dessen transparentes Foyer der Stadt zugewandt ist und diese als einzigartiges visuelles Schauspiel erleben lässt. Die Vedute von Passau ist zu jeder Tageszeit ein besonderes Ereignis.

Bereits der Weg über eine kaskadenartige Treppe nach oben, flankiert von Gastronomie samt Terrasse, dient zur Einstimmung auf besondere Erlebnisse im Hör- und Konzertsaal. Durch das breite Spektrum seiner Nutzung erlangt dieser Raum eine besondere Bedeutung für die Universität und die Stadt Passau.

Allseits mit Holz ausgekleidet und mit umlaufenden Galerien versehen, bietet der Zuschauerraum nicht nur eine besondere Nähe zur Bühne und gute Sichtverhältnisse, sondern auch ein einprägendes gemeinschaftliches Erleben. Sehen und gesehen werden, all das in introvertiert-stimmungsvoller Atmosphäre, ganz im Gegensatz zur Extrovertiertheit des gläsernen Foyers hoch über Passau. Anders als im Saal mit den darin stattfindenden wechselnden Auftritten, ist die Stadt hier stets präsenter Akteur, der uns immer aufs Neue mit seinem Schauspiel zu begeistern vermag.

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